Die Sesambeine der Großzehe sind zwei kleine, etwa zentimetergroße Knochen unter dem Kopf des ersten Mittelfußknochens. Sie unterstützen die Funktion der Großzehenbeugesehnen und verteilen die Kräfte unter dem Großzehengrundgelenk beim Gehen, Laufen und Springen.

Erkrankungen der Sesambeine

  • Entzündung eines Sesambeins
  • Sesambeinfraktur: akute Fraktur oder Ermüdungsfraktur
  • avaskuläre Nekrose eines Sesambeins (AVN)
  • „Turf-Toe“-Verletzung

Symptome von Sesambeinerkrankungen

  • allen Sesambeinerkrankungen gemeinsam sind Schmerzen unter dem Sesambein, die beim Stehen und beim Abstoßen während des Gehens oder Laufens zunehmen, wenn die Großzehe unter Körpergewichtsbelastung nach oben gebeugt ist
  • Schwellung
  • gelegentlich eine dorsale Subluxation der Großzehe, bei der sie im Stehen über dem Boden angehoben ist

Ursachen von Sesambeinerkrankungen

Eine Sesambeinentzündung entsteht meist durch wiederholte Überlastung. Wiederkehrende Mikroverletzungen, besonders bei Tänzern und Läufern, können dazu beitragen. Weitere Ursachen sind ungeeignetes Schuhwerk, ein angeborener Hohlfuß oder übermäßige Aktivität des langen Wadenbeinmuskels. Akute Frakturen entstehen durch Verletzungen, meist beim Sprung aus Höhe, beim plötzlichen Loslaufen oder beim schnellen Start zum Ball.

Ermüdungsfrakturen haben dieselben Ursachen wie Sesambeinentzündungen.

Eine einzelne eindeutige Ursache der avaskulären Sesambeinnekrose ist bisher nicht bekannt. Vermutet werden frühere Verletzungen, Überlastung, Mikrothromben, hormonelle Schwankungen, Rauchen und weitere Faktoren. Beim Turf Toe werden Weichteile um die Sesambeine verletzt; möglich sind eine Ausrissfraktur an der Basis des Großzehenknochens oder eine Trennung eines zweigeteilten Sesambeins. Solche Verletzungen entstehen meist beim plötzlichen Abstoßen über die Großzehe, etwa beim Springen oder beim schnellen Start zum Ball.

Diagnostik von Sesambeinerkrankungen

  • Röntgenaufnahmen unter Körpergewichtsbelastung
  • Computertomographie im Stehen
  • Pedobarographie

In manchen Fällen zusätzlich:

  • Magnetresonanztomographie
  • SPECT-CT

Behandlung von Sesambeinerkrankungen

Nichtoperative Behandlung: Die meisten Erkrankungen und Verletzungen der Sesambeine werden zunächst ohne Operation behandelt. Dazu gehören Entlastung des betroffenen Beins, Ruhigstellung in einem orthopädischen Schuh oder einer Orthese, etwa bei einer akuten Fraktur, und Tapen der Großzehe in einer entlastenden Position. Entzündungshemmende Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen können helfen. Beim Übergang zu eigenen Schuhen entlasten spezielle Einlagen die Sesambeine. Bei einer Sesambeinentzündung ist auch eine intraartikuläre Steroidinjektion möglich.

Bei avaskulärer Nekrose eines Sesambeins ist eine perkutane Injektion von plättchenreichem Plasma möglich.

Operative Behandlung

Bei erfolgloser konservativer Behandlung kommen folgende operative Verfahren infrage:

  • Fixierung einer Sesambeinfraktur mit Knochentransplantaten
  • bei avaskulärer Nekrose eine perkutane Anbohrung des betroffenen Sesambeins, verbunden mit der Gabe von plättchenreichem Plasma oder konzentrierten Knochenmarkzellen
  • Sesamoidektomie: teilweise oder vollständige Entfernung des erkrankten Sesambeins bei fortgeschrittener avaskulärer Nekrose
  • Korrektur eines Hohlfußes
  • Transfer der Sehne des langen auf die Sehne des kurzen Wadenbeinmuskels bei Überaktivität des langen Wadenbeinmuskels